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Tiroler Volksschulkinder erreichen nur Mindestvorgaben an Bewegung PDF Drucken Weitersenden
04.03.2010

Sportreferent LHStv Hannes Gschwentner und Turnverbandspräsident Robert Mader machen sich ein Bild von den Kletterkünsten der SchülerInnen aus der Volksschule Innere Stadt.
Sportreferent LHStv Hannes Gschwentner und Turnverbandspräsident Robert Mader machen sich ein Bild von den Kletterkünsten der SchülerInnen aus der Volksschule Innere Stadt.

Studie dokumentiert Sport- und Freizeitverhalten von Tiroler Volksschulkindern
  

„Tirol wird zurecht als das ‚Sportland Nr. 1' bezeichnet - dieses Attribut hat nicht nur mit unserer hervorragenden Sportinfrastruktur und den sportlichen Erfolgen unserer ProfiathletInnen zu tun, sondern auch damit, dass ein Großteil der Tirolerinnen und Tiroler zumindest eine Sportart aktiv betreibt", betont Sportreferent LHStv Hannes Gschwentner. Doch wird dies auch in Zukunft auf die jüngeren Generationen zutreffen?

Erstmals hat eine Studie den Ist-Zustand der Tiroler Volksschulkinder im Bereich des Sport- und Freizeitverhaltens dokumentiert. Im Mai vergangenen Jahres erklärten sich 1186 Kinder aus 28 Volksschulen Tirols zusammen mit ihren Eltern bereit, eine Woche lang ein Bewegungstagebuch auszufüllen. Die Auswertung dieser Einträge liegt nun in Form einer Trendanalyse zum derzeitigen Freizeit- und Sportverhalten von Tiroler Volksschulkindern vor. „Insgesamt 15% der Volksschulkinder in Tirol sind übergewichtig, 5% davon stark übergewichtig", zeigt Studienautor Marcus Robatsch auf. Alles in allem verbringen die Kinder rund 350 Minuten - dies sind immerhin fast 6 Stunden - sitzend. Neben dem Sitzen in der Schule (200 Minuten) sitzen Kinder zusätzlich auch insgesamt 48 Minuten vor den Fernseher, der Spielkonsole und dem Computer.

„45% der SchülerInnen sind Mitglied in einem Sportverein", erläutert Reinhard Eberl, Vorstand der Abteilung Sport. Zwischen den Geschlechtern gibt es jedoch in diesem Bereich große Unterschiede: 54% der Burschen üben den Sport innerhalb eines Vereins aus, während nur 36% Mädchen einem Verein angehören. Die Buben bewegen sich durchschnittlich 36 Minuten pro Tag in einem Sportverein, während Mädchen nur 23 Minuten erreichen.

„Immerhin betreiben 64% der Kinder eine Freizeitsportart, wobei Buben mit 69% einen höheren Wert erreichen als Mädchen, von denen nur 60% eine Freizeitsportart ausüben", rechnet Gschwentner vor. Burschen betreiben pro Tag durchschnittlich 22 Minuten Freizeitsport, während Mädchen nur 15 Minuten „sporteln". Da die Studie im Mai durchgeführt wurde, sind vor allem Sommersportarten en vogue: Im Ranking führt erwartungsgemäß bei den Buben der Fußball mit 42% vor Radfahren (20%) und Schwimmen (9%), während 28% der Mädchen Radfahren bevorzugen, gefolgt von Schwimmen (14%) und Trampolinspringen (6%). Dies zeigt, dass vor allem kostengünstige Sportarten gewählt werden.

Das „Sporteln" im Familienverband wird laut Studie mehr betrieben als der Freizeitsport: 72% der Volksschulkinder üben Sport mit der Familie aus. Dabei sind Schwimmen, Wandern und Radfahren die beliebtesten Sportarten.

93 - 94% aller Volksschulkinder geben an, dass sie sich bei den Alltagsbewegungen im Freien aufhalten. Interessant dabei ist, dass sich sowohl im Vereins-, Freizeit- wie auch Familiensport ein Stadt-Land-Gefälle auftut: „Bis auf den Freizeitsport bei den Mädchen wird am Land mehr Sport und Bewegung betrieben als in der Stadt", zeigt Robatsch auf.

Aufgrund dieser Ergebnisse stellt sich die Frage, ob sich die Volksschulkinder in Tirol ausreichend bewegen. Das Bundesamt für Sport in der Schweiz definiert die Mindestempfehlung für tägliche Bewegung: Jugendliche sollen sich gegen Ende des Schulalters mindestens eine Stunde bewegen, jüngere Kinder deutlich mehr. Laut kanadischen und australischen Untersuchungen werden mindestens 120 - 150 Minuten pro Tag an Bewegung vorgegeben.

„Das Sport- und Bewegungsausmaß von Tiroler Kindern fällt im Gegensatz zu Erhebungen in anderen Staaten höher aus. Trotz der Ergebnisse der vorliegenden Studie muss festgehalten werden, dass die Tiroler Kinder mit insgesamt 147 Minuten am Tag nur die Mindestvorgaben für eine gesunde Lebensführung erreichen", resümiert Gschwentner. Damit ist eine Tendenz feststellbar, dass sich bereits im Kindesalter das Verhältnis von aktiver zu passiver Lebensführung verschlechtert.

„Der Vereinssport kann das Defizit im Schulsport nicht ausgleichen", stellt der Präsident des Landesfachverbands für Turnen in Tirol Robert Mader klar, der daher mehr Sportstunden und einen vielfältigen Sportunterricht fordert, um bei den Kindern das Interesse für die verschiedensten Sportarten zu wecken.

„Es liegt im Verantwortungsbereich der Eltern, der Lehrpersonen und auch der BetreuerInnen in den Vereinen, unseren Kindern eine aktive Lebensführung mit hohem Bewegungsanteil und sinnvoller Freizeitgestaltung vorzuleben. Nur damit können die Nachteile unserer Wohlstandsgesellschaft möglichst gering gehalten werden", betont Eberl.

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